Luther und das Bier –

500 Jahre Reformation

Nach 500 Jahren Reinheitsgebot im Jahr 2016 feiern wir 2017 das 500-jährige Jubiläum des Thesenanschlags durch Martin Luther. Daher wird der Reformationstag erstmalig und einmalig im gesamten deutschen Bundesgebiet zu einem Feiertag. Reformationstag, Luther und Bier – wie hängt das zusammen? Dieser Frage wollen wir auf den Grund gehen.

Der Reformationstag

… ist ein ausschließlich evangelischer Feiertag, der am 31. Oktober gefeiert wird. 1517 soll Martin Luther eben an diesem Tage seine weltweit bekannten 95 Thesen, in denen er auf die Missstände in der Kirche hinwies, an die Tür der Wittenberger Schlosskirche geschlagen haben. Seine Kritik zielte auf Predigt und Praxis des Ablasses, der den Sünder mit Buße und Geldspenden aus dem Fegefeuer befreien sollte. Dem entgegen stellte er die Kraft des Glaubens, der allein auf die Gnade Gottes vertraut. Die 95 Thesen gelten noch heute als wichtiges Schriftstück der Kirchengeschichte, da sie damals zur Reform der Kirche und somit zur Aufspaltung in eine katholische und evangelische Kirche geführt haben. Obwohl der Reformationstag nicht immer gefeiert wurde und auch erst später an Bedeutung gewann, wurden zumindest die 100-jährigen Jubiläen gewürdigt. So auch 2017, wo die 95 Thesen und die anschließende Reformation ihr 500-jähriges Jubiläum feiern. So zum Beispiel in Frankfurt unter dem Motto „Frankfurt feiert Reformation“ und natürlich in Wittenberg, wo auf der „Weltausstellung zur Reformation“ von Kirchen aus aller Welt die aktuelle Sicht auf die Reformation dargestellt wird. Im ehemaligen Gefängnis in Wittenberg findet die Ausstellung „Luther und die Avantgarde“ statt.

Martin Luther

… lebte von 1483 bis 1546 und war Augustinermönch und Theologieprofessor. Seine Zeit als Augustinermönch war von der Suche nach religiöser Erkenntnis geprägt, die dazu führte, dass er Professor für Theologie in Wittenberg wurde. Als Prediger in der Wittenberger Stadtkirche stellte er fest, dass die Bürger nicht zu ihm in die Beichte kamen, sondern sich Ablassbriefe in anderen Städten besorgten und sich so ihr Seelenheil erkauften. Das war Luther zuwider und widersprach seiner Überzeugung. Die Missstände schrieb er in den 95 Thesen nieder und löste damit heftige Reaktionen aus – und später die Reformation. Der Papst verhängte 1521 einen Bannfluch über Luther. Damit galt er öffentlich als Ketzer und musste fliehen. Er versteckte sich auf der Wartburg bei Eisenach, wo er die Bibel ins Deutsche übersetzte. Luthers wohl revolutionärste Aussage ist: Vergebung der Sünden und ewiges Leben bekommen wir nicht durch gute Werke oder für Geld, sondern allein durch den Glauben.

Luther und das Bier

Vorstände Einbecker Brauhaus AG
Lothar Gauß (re.) und Martin Deutsch

… das war ein durchaus inniges Verhältnis. Als Augustinermönch spielte Bier für Martin Luther eine nahezu existenzielle Rolle. Bier trug seinerzeit wesentlich zur Ernährung – und zur Stimmungslage – der Mönche bei. Durch seine Vorliebe zum Bier sind viele noch heute bekannte Zitate und Lebensweisheiten zum Thema Essen und Trinken entstanden. Auch seine spätere Frau Katharina von Bora war eine bieraffine Frau. Sie lernte als Nonne das Brauen und braute nach der Heirat Bier für ihren Mann. Sein Lieblingsbier jedoch war das Einbecker Bier.

Luther-Biere

… stehen natürlich im Jubiläumsjahr hoch im Kurs. Eine von vielen Brauereien, die sich auf die Tradition beruft, ist die Brauerei Neunspringe Worbis GmbH, die insgesamt vier Luther-Biere in ihrem Sortiment hat. Das „Reformationsbier“ ist ein Pils, „ehrlich, geradeheraus und ohne Fehl und Tadel“. Das „Starcke Bier“ ist kräftig im Farbton und stark im Geschmack. Es ist ein guter Begleiter zu gehaltvollem Essen. Das „Luther Urtyp“ ist ein fast schwarzes und vollmundiges Bier mit „richtig viel Charakter für willensstarke Männer und Frauen“. Beim „Luther Porter“, lieblich und nicht zu hoch im Alkoholgehalt, ist sich die Brauerei sicher: „Katharina hätte es bestimmt gemocht.“

Bildquelle: Brauerei Neunspringe Worbis GmbH
Bildquelle: Rosenfelder Brauerei Lehner

Auch die Rosenfelder Brauerei Lehner hat zum 500-jährigen Jubiläum eingebraut. Das Etikett des „Reformations-Bräu“ ziert ein Bild von Martin Luther. Braumeister Andreas Klausmann beschreibt den Sondersud als „dunkles Exportbier mit Bernsteinfarbe und etwas rauchigem Geschmack“. Es soll als Auftakt für die Veranstaltungen der evangelischen Kirchengemeinden zum Jubiläum des Reformationstages gelten.

In Ulm wurde von der Brauerei Gold Ochsen GmbH ein Martin-Luther-Bier für die Ulmer Luthergemeinde gebraut. „Auch Martin Luther war Freund des feinen Gerstensafts. In einem Brief an seine Frau Katharina von Bora schreibt er, nur nach Hause kommen zu wollen, wenn Bier gebraut wäre“, berichtet Gold-Ochsen-Geschäftsführerin Ulrike Freund. Das Jubiläumsetikett der 0,5-Liter-Flasche trägt das Abbild des Reformators und das Logo der Ulmer Martin-Luther-Kirche. Der Erlös des Verkaufs der Biere kommt der Martin-Luther-Gemeinde zugute.

Bildquelle: Aurel Alexander Dörner / dpr