Deutschland: Wiege der Braukunst – Handwerk, Kultur und Wissenschaft

Die Braubranche ist, als großer Zweig der deutschen Lebensmittelwirtschaft, ein bedeutender Arbeitgeber. Die Qualität und Vielfalt deutscher Biere werden weltweit geschätzt. Aber das ist längst noch nicht alles, was die Branche kennzeichnet und zu etwas ganz Besonderem mit einem weltweit bekannten Image macht. Neben der Herstellung von Bierspezialitäten in deutschen Brauereien finden sich auch im Anlagenbau oder in Rohstoff verarbeitenden Betrieben viele spannende Aufgaben für Brauer, Braumeister und Brauingenieure. Deutschland ist führend in der Aus- und Weiterbildung aller Berufe im Brauwesen.

Von der Pike auf gelernt

Genauso facettenreich wie das deutsche Bier ist auch der Beruf des Brauers und Mälzers. Der gesamte Produktionsprozess beginnt bei der Rohstoffannahme und -beurteilung und geht bis zur Abfüllung des gereiften Bieres. Dafür sind Kenntnisse über Hygiene, Umweltschutz und technisches Verständnis notwendig. Brauen als Handwerk verlangt neben schneller Auffassungsgabe, Organisationstalent und Effizienz auch, ab und zu mal kräftig anzupacken. Ausgebildete Brauer und Mälzer besitzen Fähigkeiten und Fachwissen auf vielen Gebieten.

Lebenslanges Lernen

Für Brauer mit entsprechender Berufserfahrung in Brauereien oder der Zulieferindustrie ergeben sich in der Biernation Deutschland viele Möglichkeiten zur Weiterbildung. Eine folgerichtige Entscheidung ist für viele Brauer die Qualifikation zum Meister an einer der verschiedenen Meisterschulen in Deutschland. Für welche Meisterschule in welchem Bundesland sich der Geselle auch entscheidet, alle gewährleisten eine fundierte Ausbildung durch erfahrene Lehrkräfte.

Eine der bekanntesten Anlaufstellen für verschiedenste Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in der Brau- und Getränkebranche -  auch weltweit - ist die Akademie Doemens bei München. Bei der einjährigen Ausbildung zum Brau- und Malzmeister wird schwerpunktmäßig neben den Bereichen der Brautechnologie auch Abfülltechnik und Betriebskontrolle gelehrt. Im Anschluss erhält man zusätzlich die Qualifikation als Ausbilder, die einen befähigt, das erworbene Wissen an neue Generationen im In- und Ausland weiterzugeben. Der dort ebenfalls angebotene Ausbildungsgang zum staatlich geprüften Brau- und Getränketechnologen dauert vier Semester. Es werden zudem die Themenbereiche Lebensmittelchemie, Biotechnologie, Elektrotechnik, die Herstellung von alkoholfreien Getränken, sowie Mess-, Steuer-, und Regelungstechnik gelehrt. Weiterhin werden an der Akademie Lehrgänge wie Betriebswirt der Getränkewirtschaft (berufsbegleitend) sowie Getränkebetriebswirt angeboten. Doemens ist ganz nebenbei auch die „Schmiede“ der Sommeliers, die sich besonders dem Thema Getränke widmen wollen. Einzigartig auf der ganzen Welt können sich genussinteressierte Fachkräfte, aber auch Privatpersonen, seit 2004 zum Biersommelier oder seit Kurzem auch zum Mineralwassersommelier ausbilden lassen. Das Team der Doemens Genussakademie vermittelt in thematisch abgestimmten Kursen, wie Bier hergestellt und Mineralwasser abgefüllt wird, welche Aromaprofile Getränke entwickeln und zu welchen Speisen sie am besten passen.

Die Bewegung nimmt Fahrt auf: Genussmanager für Bier

Die Zahl der Biersommeliers wächst nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. So ist gerade auch in Österreich, Brasilien, Italien und der Schweiz das Thema Biergenuss in der Öffentlichkeit angekommen. Biersommeliers sind gefragte Redner sowie Berater in der Gastronomie, dem Handel und in Brauereien. 

Biersommelier Markus Sailer

Zum steigenden Bekanntheitsgrad des neu entstehenden Berufsbilds trägt die medial wirksame „Weltmeisterschaft der Sommeliers für Bier“ bei – initiiert von Doemens. Sie findet seit 2009 alle zwei Jahre statt. Mittlerweile werden die Kurse schon in sechs Sprachen und auf vier Kontinenten durchgeführt. Mit der Ausbildung werden Botschafter für die gehobene Bierkultur qualifiziert, die Interessierten fachlich sowie eloquent die Biervielfalt und den Biergenuss näherbringen. Seit 2013 ist die Zahl der Teilnehmer an der Weltmeisterschaft der Sommeliers für Bier in den einzelnen Ländern derart gestiegen, dass in Deutschland, Österreich, Brasilien und der Schweiz in nationalen Ausscheidungen die besten des Landes gesucht werden, die dann zur Weltmeisterschaft reisen und das jeweilige Land vertreten. Der Deutsche Brauer-Bund und der Bayerische Brauerbund unterstützen die Meisterschaft, um die Bierkultur weiter zu fördern.

Mit all diesen Ansätzen und Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung liefert Deutschland die Impulse dafür, dass die Bierkultur gestärkt und das Wissen der führenden Biernation der Welt an die nächsten Generationen weitergegeben wird.

Der Wissenschaft verbunden

Will man eine wissenschaftliche Karriere anstreben oder Diplom-Ingenieur in der Brauwirtschaft werden, dann ist direkt nach der Hochschul- oder Fachhochschulreife bzw. als nächster Schritt nach der Ausbildung ein Studium des Brauwesens genau das Richtige. In Freising, dem Ort mit der ältesten urkundlich erwähnten Brauerei der Welt, wird seit dem Mittelalter Bier gebraut. 

Louis Pasteurs Forschungen über die Rolle der Hefezellen bei der Gärung um 1860 haben die Brauwissenschaft begründet.

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass hier auch die älteste Studienfakultät für Brauwesen vor über 150 Jahren gegründet wurde. Heute kann hier an der TU München-Weihenstephan der Studienabschluss Bachelor und Master of Science in Brauwesen und Getränketechnologie erworben werden. In der universitätseigenen Brauerei können sich die Studenten aus aller Welt auch bei Aktivitäten wie dem Innovationswettbewerb für Lebensmittel und Getränke verwirklichen. Neben der Ingenieursausbildung wird hier auch die Ausbildung zum Diplombraumeister angeboten. Diese richtet sich vorrangig an diejenigen, die die Ausbildung zum Brauer und Mälzer bereits absolviert haben. Jedoch ist es im Rahmen dieser an der Praxis orientierten Ausbildung auch möglich, die notwendigen Praxiserfahrungen in einem 52-wöchigen Praktikum nachzuholen. Diplombraumeister werden typischerweise als sogenannte 1. Braumeister, Betriebskontrolleure, Laborleiter oder im technischen Außendienst angestellt. Die Übergänge zwischen den verschiedenen Abschlüssen sind jedoch fließend, was die Möglichkeiten noch weiter erhöht.

Die Universität ist jedoch nicht die einzige Lehranstalt im kleinen Ort im Norden Münchens, an der die Kunst des Bierbrauens vermittelt wird. So wird seit wenigen Jahren an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ebenfalls der Bachelor-Studiengang Brau- und Getränketechnologie mit der Möglichkeit einer dualen Ausrichtung angeboten.

In Berlin befindet sich ein weiteres Kompetenzzentrum für Brauwesen. Die Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin, kurz VLB, bietet unzählige Ausbildungsgänge in allen Bereichen des Bierbrauens an. Unter dem Dach der VLB Berlin sind verschiedene Forschungsinstitute und Abteilungen angesiedelt. Damit deckt die VLB die gesamte Wertschöpfungskette der Bier- und Getränkeherstellung ab. Der VLB ist es auch wichtig, die deutsche Braukunst als Kulturgut in die Welt zu tragen. So gibt es die Möglichkeit, an internationalen Braukursen in englischer und russischer Sprache teilzunehmen. In enger Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin kann hier ebenfalls Brauerei- und Getränketechnologie als naturwissenschaftliches Studium belegt werden. Zudem gibt es auch die praktischere Ausrichtung des Diplom-Braumeisters.