Bierkultur in Deutschland erleben

Biermuseen machen Geschichte und Geschichten greifbar

Wer sich dem Thema Bier, Biergeschichte und Bierkultur auf verschiedenste Weise nähern möchte, findet in Deutschland ein Eldorado der Möglichkeiten vor. Unzählige Museen in allen Landesteilen befassen sich mit der Geschichte des Bieres und der Entwicklung des Brauwesens in Deutschland. In fast 30 Museen kann man Bier erleben – im großen Rundumschlag oder in kleinen thematischen Einzelausstellungen, die sich einem besonderen Aspekt rund ums Bier ganz speziell widmen. So kann man sich im Bier- und Oktoberfestmuseum in München über die Geschichte des größten Volksfestes der Welt informieren. Im Anschluss kann man stilgetreu im dazugehörigen Bierstüberl die vielen Fakten sacken lassen. Absolut sehenswert und einzigartig in seiner Form ist auch das Bayerische Brauereimuseum in Kulmbach, das nicht nur zahlreiche historische Exponate zu bieten hat, sondern auch eine gläserne Brauerei.

Auch im Erzgebirge wird Besuchern die Historie der deutschen Kultur vermittelt: Das sächsische Brauereimuseum Rechenberg befindet sich in einer außergewöhnlichen Lage in der Nähe des Rittergutes. Ein weiteres Beispiel ist das Brauerei-Museum Dortmund: Ursprünglich war es als Lehrmuseum gedacht, seit der Neueröffnung präsentiert es jedoch die Geschichte der Dortmunder Brauereien.

Weiterführende Links:

Bier- und Oktoberfestmuseum München: www.bier-und-oktoberfestmuseum.de
Bayerisches Brauereimuseum Kulmbach: www.kulmbacher-moenchshof.de/Brauereimuseum
Sächsisches Brauereimuseum Rechenberg: www.museumsbrauerei.de
Brauerei-Museum Dortmund: www.brauereierlebnis-dortmund.de

Wanderwege für Bierfans

Nicht nur die Kombination mit Wissen ist möglich, auch körperlich kann man sich Bierwissen regelrecht erarbeiten. Auf unzähligen Bierwanderwegen kann man in aller Ruhe meist von einer Brauerei zur nächsten wandern. Die Strecken zwischen den erfrischenden Abkühlungen können auch mit dem Rad bewältigt werden. Eine schöne Gegend ist z.B. die Bodenseeregion im Allgäu. Hier kann man auch das Hopfenanbaugebiet Tettnang wunderbar in den Ausflug integrieren. Landwirtschaftliche Idylle gepaart mit feinstem Biergenuss versprichen unvergessliche Urlaubserinnerungen. Auch Franken ist mit seinen vielen kleinen, regional agierenden Brauereien für eine thematische Aufarbeitung des Themenfeldes bestens geeignet. Lassen Sie sich inspirieren und machen Sie sich auf den Weg:

Weiterführende Links:

Kurpfälzer Bierstraße: www.kurpfaelzer-bierstrasse.de
Kölner Brauhaus Wanderweg: www.koelner-wanderweg.de
Bierwandertouren durch Franken und Umgebung: www.bierwandern.de
Brauereiwege in der fränkischen Schweiz: www.brauereiwandern.de/wanderwege
Brauereitouren durch Oberfranken: www.brauereitouren.info
Bayerische Bierstraße: www.bayrische-bierstrasse.de

Von Volksfesten und anderen Festivitäten

Gemeinsam lachen, feiern und Bier genießen funktioniert am besten auf den weltberühmten deutschen Volksfesten. Eine besondere Form der Volksfeste sind die sogenannten Herbstfeste. Das wohl bekannteste davon ist das Münchner Oktoberfest. Die erste „Wiesn“ fand 1810 anlässlich der Hochzeit zwischen Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese statt. Heute kommen Touristen aus aller Welt, um einmal Teil dieses Spektakels zu sein. Weitere, kleinere Vertreter dieser Gattung sind auch die niederbayerische Gillamoos und die fränkische Kirchweih, auf denen sich die Leute das süße, eigens gebraute Festbier schmecken lassen können. Das Gäubodenfest in Straubing öffnet bereits im August die Zelte und startet als erstes Volksfest in Bayern die Saison.

In gleicher Größenordnung wie das Münchner Oktoberfest ist auch der Cannstatter Wasen im gleichnamigen Stuttgarter Stadtbezirk in Baden-Württemberg. Aber auch jedes Dorf feiert sein eigenes Volksfest, bei dem Jung und Alt bei einer Maß Festbier zusammenkommen. All diese Feste können nur begangen werden, weil die Brauerei bzw. die Brauereien aus der jeweiligen Region die Tradition bewahren und als wichtigste Partner dabei sind. Die Verwurzelung des Bieres mit der regionalen Landwirtschaft sieht man gerade bei Volksfesten deutlich. Neben den Festzelten finden sich auch meist Ausstellungen landwirtschaftlicher Nutzfahrzeuge oder auch Tierschauen, und so haben sich viele der etablierten Volksfeste aus der ursprünglichen Tierschau und landwirtschaftlichen Ausstellung heraus entwickelt.

Eine weitere Facette deutscher Bierkultur sind die Starkbieranstiche. Auch hier macht München von sich reden: Der Starkbieranstich von Paulaner am Münchner Nockherberg ist immer noch der bekannteste. Paulaner-Mönche brauten während der Fastenzeit ein besonders starkes Bier zur Stärkung. Der Papst stand dem Getränk skeptisch gegenüber, er unterstellte den frommen Mönchen, zu sehr dem weltlichen Leben zu frönen. Deswegen wurde Starkbier auf dem Pferdewagen über die Alpen nach Rom geschickt. Das durch die lange Reise unter extremen Bedingungen schlecht gewordene Bier erinnerte das Oberhaupt der katholischen Kirche mehr an ein Martyrium, und der Papst erlaubte dessen Fortbestand daher. Nach dieser Absegnung brauten die Mönche weiter. Sie benannten ihr Bier  nach dem Ordensgründer: Es hieß zur damaligen Zeit Sankt-Vater-Bier. Heute ist es  als Salvator weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt. Im 18. Jahrhundert wurde der bayerische Kurfürst zum Ausschank dieses Bieres eingeladen und erhielt den ersten Schluck. Den erhält nun bei der Eröffnung des über zweiwöchigen Festes stets der bayerische Ministerpräsident.

Entstanden in Bayern, beliebt auf der ganzen Welt: der Biergarten

Der Biergarten ist ein besonderer, geschichtsträchtiger Zweig der Gastronomie und entstand vor über 200 Jahren. Hier konnten Brauer ihr Bier auch ohne das für eine Schänke erforderliche Krugrecht ausschenken. 

Münchner Brauer legten zur Kühlung ihrer Biere in den Sommermonaten Keller unter der Isar an. Über diesen entstanden die ersten Biergärten, von den ursprünglichen sind nach wie vor der Augustinerkeller, Paulaner am Nockherberg und der Hofbräukeller vorhanden. Seinen Ursprung hat der Biergarten im Isarkreis, und noch heute wird sein Bild in Bayern von Menschen mit Maßkrügen unter Bäumen geprägt. Damals wie heute ist es üblich gewesen, in einem Biergarten seine selbst mitgebrachten Speisen zu verzehren. Das entstand aus einem Verbot heraus, das den Gastwirten einen Vorteil verschaffen sollte. Nun ist es ein Privileg, das in Bayern gesetzlich verankert ist. Außerdem hat sich über die Jahrzehnte hinweg noch eines verändert: das Bier. Früher war es aufgrund der Haltbarkeit nur möglich, untergäriges Bier zwischen dem 29. September und 23. April zu brauen. Ein typisches Münchner Helles gab es also nicht. Früher wurde ausschließlich das stärker eingebraute Märzen ausgeschenkt.

Nach wie vor ist der Biergarten jedoch ein Ort der Begegnung und des friedlichen Beisammenseins. Die Wichtigkeit dieser Institution erkennt man gut an der Biergartenrevolution 1999. Nach Beschwerden von Anwohnern der Waldwirtschaft in dem Münchner Vorort Pullach verordnete die Bayerische Staatsregierung eine Sperrstunde ab 21:30 Uhr. Daraufhin gingen am 12. Mai ca. 25.000 Münchner auf die Straße und kämpften für den Erhalt der Bierkultur. Innerhalb kürzester Zeit wurde die Sperrstunde wieder auf 23 Uhr für alle traditionellen Biergärten angehoben. Die Biergärten der Stadt München waren jedoch nicht betroffen, sie mussten per Gesetz schon zuvor erst um 1:00 Uhr schließen.

Einen Besuch wert ist auch der höchste Biergarten Deutschlands: Die Gipfelalm findet man auf 2.952 Meter Höhe auf der Zugspitze. Hier erhält man neben der obligatorischen Halben auch eine Aussicht auf ein phänomenales Panorama. Die Bayern nehmen es übrigens ganz genau, und so dürften die Biergärten außerhalb Bayerns eigentlich nur als Gartenwirtschaften bezeichnet werden. In den neuen Bundesländern sind die beliebten Ausflugsziele auch unter dem Namen Freisitz bekannt.

Königliche Hoheiten

Quelle: Bayerischer Brauerbund

Das Kulturgut Bier präsentieren und in die Welt hinaustragen zu dürfen, ist ein Privileg. Es gibt verschiedene Arten und Weisen, wie man dieses erlangen kann. Ein Beispiel ist die Wahl zur Hallertauer Hopfenkönigin. Voraussetzung hierfür ist, aus einem Hopfenbaubetrieb zu kommen und über 18 Jahre alt zu sein. Auch hier wird, wie überall in der Bierbranche, viel Wert auf Fachwissen gelegt; so erhalten die Kandidatinnen bereits im Vorfeld eine „Hopfenschulung“ und werden dazu auch am Tag der Wahl befragt. Im Zeitraum von einem Jahr reist das gewählte Dreigestirn nicht nur durch ganz Deutschland beispielsweise auf Brauerei- und Hopfenfeste, sondern vertritt den deutschen Hopfen auch bei Veranstaltungen im Ausland. 
Ähnlich verhält es sich mit der Bayerischen Bierkönigin. Aus Bayern stammende junge Damen über 21 mit Liebe zum Bier dürfen sich hier bewerben. Das Auswahlverfahren ist mehrstufig – im Finale muss vor den Augen einer Fachjury ein Bierstil beschrieben und präsentiert werden. Für ein Jahr ist die Königin dann das Gesicht des bayerischen Bieres in der Öffentlichkeit.

Weiterführende Links:

Mehr zur Wahl der Hallertauer Hopfenkönigin: www.hallertauerhopfen.de
Mehr zur Wahl der Bayerischen Bierkönigin: www.bayrisch-bier.de